Allokationseffekt – Prozesskostenrechnung

Der Allokationseffekt ist sehr gut im Buch Kostenrechnung und Kostenanalyse von Coenenberg et. al. beschrieben: Kostenrechnung und Kostenanalyse (Link zu Amazon)

Bei Anwendung der Prozesskostenrechnung (Amazon-Link) als Methode der Kostenanalyse wird die Zuordnung der Gemeinkosten (Allokation) auf die Produkte unabhängig von der Höhe traditionell wertorientierter Zuschlagsbasen (Material-, Lohneinzelkosten) vorgenommen. Stattdessen erfolgt die Zuordnung auf Basis der Inanspruchnahme betrieblicher Ressourcen. Diese Ressourcen betreffen in erster Linie die menschliche Arbeitsleistung und die damit verbundenen Kostenfaktoren. Dabei bilden das Entgelt für betriebliche Arbeitsleistung zusammen mit den Personalnebenkosten meist den Schwerpunkt.

Somit unterscheidet sich Zuordnung der Gemeinkosten bei der Prozesskostenrechnung deutlich von der klassischen Kostenrechnung. Denn in der klassischen Kostenrechnung ist der Ressourceneinsatz über die klassischen Zuschlagssätze gar nicht oder nur unzureichend abgebildet. Das liegt daran, dass sich die Zuschlagssätze oft auf Materialeinzelkosten oder Herstellkosten beziehen, so dass der Ressorcenverbrauch nicht verursachungsgerecht abgebildet wird. Letztlich zeigt der Allokationseffekt die Umverteilung der Gemeinkosten bei Anwendung der Prozesskostenrechnung im Vergleich zur klassischen Zuschlagskalkulation. Dieser Effekt lässt sich am besten anhand eines Beispiels erläutern.

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Beispiel zum Allokationseffekt:

Ein Unternehmen fertigt drei verschiedene Motorvarianten für Rollläden. Diese unterscheiden sich in der Art und Weise der Ansteuerung. Variante A hat eine konventionelle Steuerung über einen Taster. Ergänzend bietet Variante B eine Steuerung über Funkverbindung. Und Variante C weist eine Steuerung über eine Mobilfunkschnittstelle auf.

Die folgende Tabelle zeigt, dass sich bei unterschiedlichen Materialeinzelkosten unterschiedliche Gemeinkostenzuschläge (in Euro) bei einem einheitlichen Zuschlagsatz (im Beispiel sind 189% als Zuschlagssatz angenommen) für die 3 Motortypen ergeben. Im Rahmen der Prozesskostenrechnung sind jedoch die Kosten für die Beschaffungsvorgänge gleich (8,75 Euro pro Vorgang). Denn diese hängen nur von den Beschaffungspositionen, nicht aber von der Art der beschafften Motorsteuerung ab. Zumindest ist diese Annahme in vielen Fällen plausibel. Im vorliegenden Beispiel besteht folglich die Gefahr, dass das Unternehmen den Preis für das Produkt in der Variante C im Rahmen der Zuschlagskalkulation zu hoch ansetzt. Damit kann das Unternehmen sich möglicherweise aus dem Markt kalkulieren.

Beispiel zum Allokationseffekt in Abgrenzung zum Degressionseffekt

(Literaturhinweis: Coenenberg, Adolf G.; Fischer, Thomas M.; Günther Thomas: Kostenrechnung und Kostenanalyse, 6. Auflage, Stuttgart, Schäfer/Poeschel, 2007: S. 145 f. Kostenrechnung und Kostenanalyse mit Link zu Amazon)

Neben dem Allokationseffekt sind auch noch der Komplexitätseffekt und der Degressionseffekt zu beachten. Diese werden in weiteren Kapiteln beschrieben.

Häufig treten der Allokationseffekt, der Komplexitätseffekt und der Degressionseffekt gemeinsam auf.

Zusätzlich finden Sie eine Aufgabe zum Vergleich von Prozesskostenrechnung und Zuschlagskalkulation über den nachfolgenden Link:

Prozesskostenmanagement Fallstudie 5

Und wer einmal eine Pause braucht, kann sich gerne einmal hier umschauen: www.lego-friends-fan.de