Kuppelkalkulation

Die Kuppelkalkulation braucht man, wenn im Produktionsablauf ein Kuppelprozess vorliegt. Von einem Kuppelprozess wird gesprochen, wenn in einem Herstellungsprozess zwangsläufig mindestens zwei Produkte entstehen, wobei das zweite Produkt auch ein Abfallprodukt sein kann. Als Beispiel für einen Kuppelprozess sei das Entkernen von Kirschen genannt. Dabei entstehen einerseits entkernte Kirschen (die zu Kirschkonserven weiterverarbeitet werden können) und andererseits die Kirschkerne (die ebenfalls weiterverkauft werden können).

Zur Durchführung der Kuppelkalkulation innerhalb der Kostenträgerrechnung ist zunächst einmal festzustellen, ob der Kuppelprozess mehrere (gewünschte) Hauptprodukte liefert oder ob neben dem eigentlich gewünschten Hauptprodukt auch wertmäßig zweitrangige oder sogar lediglich zu entsorgende Nebenprodukte entstehen. Im Beispielprozess des Entkernens von Kirschen werden die Kirschkerne wohl als Nebenprodukt anzusehen sein.

Zunächst soll der Fall betrachtet werden, dann neben einem Hauptprodukt ein oder mehrere Nebenprodukte entstehen, die eigenständig vermarktet werden können. In diesem Fall tragen die Nebenprodukte exakt so viel Kosten des Kuppelprozesses, dass mit ihnen ein Gewinn (Deckungsbeitrag) von exakt 0 erzielt wird. Die Nebenprodukte tragen zur Kostendeckung des Kuppelprozesses in der Höhe bei, die sich ergibt, wenn von den Erlösen des Nebenproduktes die Kosten subtrahiert werden, die zur Vermarktung der Nebenprodukte anfallen.

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Beispiel zur Kuppelkalkulation:

In einem Unternehmen der obstverarbeitenden Industrie werden u.a. Kirschkonserven hergestellt. Dazu werden in einem Kuppelprozess die Kirschen entkernt. Dabei entstehen neben dem gewünschten Hauptprodukt „entkernte Kirschen“ auch das Nebenprodukt „Kirschkerne“. Diese werden nach einer Reinigung und Verpackung der Kerne an die Pharmaindustrie verkauft. Der Verkaufserlös abzüglich den Reinigungs- und Verpackungskosten der Kerne ergibt den Deckungsbeitrag. Dieser wird genutzt, um die Kuppelprozesskosten des Hauptproduktes zu reduzieren.

Entsteht ein Nebenprodukt, das lediglich noch entsorgt werden kann, dann werden die Kuppelprozesskosten um die Entsorgungskosten des Nebenproduktes erhöht.

Wenn in einem Kuppelprozess dagegen mehrere Hauptprodukte entstehen, dann werden die Kosten des Kuppelprozesses auf die Hauptprodukte mittels der Äquivalenzziffernmethode verteilt, wobei als Äquivalenzziffern entweder die Verkaufspreise oder die Stückdeckungsbeiträge der Hauptprodukte Verwendung finden.

Neben den Kosten des Kuppelprozesses entstehen im Regelfall noch weitere Kosten. Diese müssen dann mittels anderer Kalkulationsmethoden der Kostenträgerrechnung den Produkten zugeordnet werden.

Quelle: Kosten- und Leistungsrechnung kompakt: Einführende Darstellung mit 48 Aufgaben