Materialkosten

Als Materialkosten oder Werkstoffkosten bezeichnet man die bewerteten Verbrauchsmengen an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen (und Handelswaren). Es müssen dazu sowohl die Verbrauchsmengen erfasst, als auch die jeweiligen Preise zur Bewertung ermittelt werden. Die Bestimmung der Materialkosten ist der Teil der Kostenartenrechnung.

Rohstoffkosten (Fertigungsmaterialkosten) umfassen in erster Linie die Kosten für Rohmaterialien (z.B. Erze in Stahlwerken, Hopfen in Brauereien) und sind als Einzelkosten (Materialeinzelkosten) auf die Produkte zurechenbar. Hilfsstoffe gehen auch in die Produktion ein, haben aber nur einen sehr kleinen Anteil am Wert des Produktes (z.B. Klebstoffe im Automobilbau). Deshalb werden sie häufig auch, obwohl es eigentlich Einzelkosten sind, als Gemeinkosten (unechte Gemeinkosten) verrechnet. Betriebsstoffe gehen zwar nicht in das eigentliche Produkt ein, werden aber für den Leistungserstellungsprozess benötigt und sind als (Material-)Gemeinkosten zu verrechnen.

Zur Erfassung der Verbrauchsmengen sind vor allem drei Methoden bekannt:

    1. Inventurmethode
    2. Skontrationsmethode
    3. Rückrechnung

Nach der Inventurmethode besteht der Verbrauch aus Lageranfangsbestand zuzüglich der Materialzugänge und abzüglich des Lagerendbestands.

Nach der Skontrationsmethode (Fortschreibung) werden nicht nur die Lagerzugänge, sondern auch die Lagerabgänge mittels spezieller Belege (Materialentnahmescheine, auch elektronisch) erfasst. Als Verbrauch ergibt sich dann die Summe der Entnahmemengen laut den Materialentnahmescheinen.

Gemäß der Rückrechnung (retrograde Methode) werden die Verbrauchsmengen aus den erstellten Stückzahlen an Halb- und Fertigfabrikaten ermittelt. Der Verbrauch ergibt sich dann als produzierte Stückzahl mal Sollverbrauchsmenge pro Stück (Stücklistenkoeffizient).

Die Ergebnisse der drei Methoden können durchaus differieren, wenn es zu Zähl- und Messfehlern kommt, Mengen falsch dokumentiert werden oder unerwarteter Schwund auftritt.

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Bewertung der Materialkosten

Für die Bewertung des Verbrauchs stehen ebenfalls verschiedene Methoden zur Auswahl:

Materialpreise können auf Basis von Anschaffungspreisen gebildet werden, wobei dazu die tatsächlichen Anschaffungspreise, durchschnittliche Anschaffungspreise oder Anschaffungspreise nach Verbrauchsfolgeverfahren (z.B. Last-in-first-out oder First-in-first-out) herangezogen werden können. Die sinnvolle Verwendung von Verbrauchsfolgeverfahren setzt in der Regel ein bestimmtes Lagersystem voraus. So kann nur dann ein Last-in-first-out Verwendung finden, wenn auch sichergestellt wird, das immer das verbraucht wird, was erst zuletzt beschafft wurde.

Alternativ kann man auch mit Wiederbeschaffungspreisen oder mit festen Verrechnungspreisen arbeiten.

Wiederbeschaffungspreise orientieren sich am Ziel der Substanzerhaltung, mit festen Verrechnungspreisen sollen (meist) kleinere Wertschwankungen ausgeglichen werden.

Quelle: Kosten- und Leistungsrechnung kompakt: Einführende Darstellung mit 48 Aufgaben