Prozesshierarchien – Prozesskostenrechnung

Im zweiten Schritt der Prozesskostenrechnung steht der Prozess selbst im Mittelpunkt der Betrachtung. Wenn Sie einen Prozess beschreiben wollen, dann sind zunächst die Tätigkeiten bzw. Aktivitäten zu beschreiben, die den Prozess ausmachen. Dann sind diese Tätigkeiten/Aktivitäten zu Teilprozessen  zu verdichten, die ihrerseits wiederum zu Hauptprozessen zusammenzufassen sind, wodurch Prozesshierarchien entstehen.

Prozessdefinition und Bildung von Prozesshierarchien

Somit besteht ein Prozesse aus mehreren Teilprozessen. Als Teilprozess ist eine Kette von Tätigkeiten definiert, die in einer Kostenstelle auf die Erbringung einer bestimmten Leistung ausgerichtet ist. Zum Beispiel fallen in der Kostenstelle Lager die Tätigkeiten „Materialsuche“ und „Materialauslagerung“ an, die Sie dann beispielsweise zu einem Teilprozess „Fertigungsauftragskommissionierung“ zusammenfassen können.

Als Hauptprozess definiert man eine Kette von kostenstellenbezogenen Teilprozessen, die auf die Erbringung einer kostenstellenübergreifenden Leistung ausgerichtet sind. Somit beschreibt der Hauptprozess die wichtigste Form eines Prozesses. Beispielsweise sind die Teilprozesse „Fertigungsauftragskommissionierung“ und „Fertigungsauftragssteuerung“ zum Hauptprozess „Fertigungsauftragsabwicklung“ zusammenzufassen. Auf diese Art und Weise lässt sich letztlich jeder Prozess im Unternehmen beschreiben.

(Literaturhinweis mit Amazon-Link: Kremin-Buch, Beate: Strategisches Kostenmanagement, Grundlagen und moderne Instrumente, 4. Auflage, Wiesbaden, Gabler, 2007, S. 45.)

Leistungsmengeninduzierte und leistungsmengenneutrale Prozesse

Bzgl. der Teilprozesse in den indirekten Bereichen ist zu unterscheiden zwischen leistungsmengeninduzierten und leistungsmengenneutralen Prozessen:

      1. Ein leistungsmengeninduzierter Prozess (lmi-Prozess) ist dadurch gekennzeichnet, dass sein Arbeitsvolumen von der Leistungsmenge des indirekten Bereichs abhängt. Somit lässt sich bei diesen Prozessen das Arbeitsvolumen über eine sinnvolle Maßgröße berechnen. Beispielsweise kann das die Anzahl sein, die beschreibt, wie oft der Prozess durchegführt wird.
      2. Jedoch sind leistungsmengenneutrale Prozesse (lmn-Prozesse) dadurch gekennzeichnet, dass ihr Arbeitsvolumen von der Leistungsmenge des indirekten Bereichs unabhängig ist. Dieser Effekt ist vor allem bei kreativen Tätigkeiten und bei Leitungsfunktionen zu beobachten. Dabei laufen kreative Prozesse zu unterschiedlich ab, als dass sie sich standardisiert über einer Maßgröße erfassen lassen. Hingegen sind Leitungstätigkeiten zu vielfältig, um sie mittels einer Kennzahl zu bestimmen. Die Anzahl der Leitungsvorgänge macht als Kostentreiber einfach keinen Sinn.

Beispiel zu Prozesshierarchien im Qualitätsmanagement:

Betrachten Sie nun als Beispiel zur Beschreibung einer Prozesshierarchie den folgenden Fall: Die Anzahl der Stichproben bestimmt das Volumen des Arbeitsprozesses „Qualitätssicherung“, der deshalb einen lmi-Prozess (leistungsmengeninduzierter Prozess) darstellt. Das Arbeitsvolumen des Prozesses „Abteilung Qualitätssicherung leiten“ ist jedoch unabhängig von der Anzahl der Stichproben und lässt sich auch anderweitig nicht messen, weshalb hier ein lmn-Prozess vorliegt.

Die Unterscheidung zwischen lmi- und lmn-Prozessen ist deshalb wichtig, weil im nächsten Schritt nur für lmi-Prozesse Kostentreiber ermittelt werden.

Eine umfassende Aufgabe zur Kalkulation mit Prozesskosten finden Sie über den Link: https://kostenmanagementblog.wordpress.com/fallstudie-3-zum-prozesskostenmanagement/

Prozesskostenmanagement und Prozesshierarchien
Link zu Amazon

Prozesshierarchien