Starre und flexible Plankostenrechnung

Das Konzept der Plankostenrechnung lässt sich grundsätzlich in eine starre und eine flexible Plankostenrechnung (auf Vollkostenbasis bzw. als Grenzplankostenrechnung auf Teilkostenbasis) untergliedern. Sie gilt neben der Ist-Kostenrechnung und der Normalkostenrechnung als eigenständiges Kostenrechnungssystem.

Die Plankostenrechnung ist ein System der Kostenrechnung, über das die Einzelkosten nach Produktarten und die Gemeinkosten nach Kostenstellen differenziert aus Mengen- und Preissicht für einen Planungszeitraum festzulegen sind. Somit sind für jede Kostenart und für jede Kostenstelle die Kosten getrennt geplant. Bei der Planung der Kosten müssen Sie sowohl die Mengen der Einsatzfaktoren als auch die Faktorpreise bestimmen. Die Mengen der Einsatzfaktoren bezeichnet man als Beschäftigung. Im Ergebnis gibt es die Plankostenrechnung sowohl als

  • Vollkostenrechnung (starre und flexible Plankostenrechnung) als auch in der Form der
  • Teilkostenrechnung (Grenzplankostenrechnung).

Die Plankostenrechnung basiert, wie der Name schon sagt, auf geplanten Kosten. Diese beziehen  sich sowohl bezüglich der Mengen als auch bezüglich der Preise auf die Zukunft. Über einen Vergleich der Plankosten mit den tatsächlich angefallenen Kosten (als Ist-Kosten bezeichnet) können Sie letztlich diverse Abweichungen (Preis-, Beschäftigungs-, Verbrauchsabweichung) bestimmen. Diese treffen Aussagen darüber, wieso es zu Kostenabweichungen gekommen ist.

Starre Plankostenrechnung

Bei der Form der starren Plankostenrechnung werden sämtliche Kosten (Einzel- und Gemeinkosten) gemeinsam auf die Kostenträger verrechnet. Diese Rechnung wird jedoch für jede Kostenstelle getrennt durchgeführt. Dabei errechnet man für jede Kostenstelle die nach den Kostenarten differenzierten Plankosten, allerdings nur für die erwartete Planbeschäftigung. Eine Umrechnung der Plankosten auf die Ist-Beschäftigung findet nicht statt, obwohl dies für Zwecke der Kostenkontrolle notwendig wäre. Der Plankostensatz ergibt sich als Quotient aus gesamten Kosten (einer Kostenstelle) und der Planbeschäftigung (der Kostenstelle).

Die Kostenabweichung wird lediglich als Differenz aus Ist-Kosten und verrechneten Plankosten gebildet.

Flexible Plankostenrechnung

Zur Durchführung der flexiblen Plankostenrechnung sind die Kosten (einer Kostenstelle) in variable und fixe Bestandteile zu spalten. Damit ermöglicht die flexible Plankostenrechnung eine wirksame Kostenkontrolle, weil Sie bei jeder Ist-Beschäftigung die sogenannte Verbrauchsabweichung isolieren können. Dadurch lässt sich mittelfristig eine Verbesserung der Kalkulationsgenauigkeit erreichen. Bei genauer Betrachtung der Rechnung handelt es sich um eine einfach-flexible Plankostenrechnung, da lediglich ein Kostenbestimmungsfaktor, nämlich die Beschäftigung, bei der Rechnung Berücksichtigung findet.

Erst wenn Sie weitere Kostenbestimmungsfaktoren (z.B. Intensität von Maschinen) betrachten, können Sie von einer mehrfach-flexiblen Plankostenrechnung sprechen.

In einem ersten Schritt sind für die einfach-flexible Plankostenrechnung die für jede Kostenstelle anfallenden Plankosten zu berechnen und der proportionale und der fixe Plankostensatz als Quotient aus proportionalen bzw. fixen Kosten und der Planbeschäftigung zu bestimmen.

Die Summe aus proportionalem und fixem Plankostensatz bildet den Plankostensatz bei Planbeschäftigung.

Zur Ermittlung der verrechneten Plankosten ist der Plankostensatz mit der Ist-Beschäftigung zu multiplizieren. Die Differenz aus Ist-Kosten und verrechneten Plankosten bildet die Gesamtabweichung.

Als Sollkosten werden die planmäßigen Kostenvorgaben für die jeweilige Ist-Beschäftigung bezeichnet (Welche Kosten hätte es bei einer bestimmten Beschäftigung geben sollen?). Um die Sollkosten zu errechnen, ist zu den fixen Plankosten das Produkt aus proportionalem Plankostensatz und Ist-Beschäftigung zu addieren. Die Sollkosten stimmen genau dann mit den Plankosten überein, wenn die nachträglich festgestellte Ist-Beschäftigung der im Voraus festgelegten Planbeschäftigung entspricht.

Grenzplankostenrechnung

Der wesentliche Unterschied der Grenzplankostenrechnung als Teilkostenrechnung zur flexiblen Plankostenrechnung besteht in der vollständigen Trennung der variablen und fixen Kosten auch in der Kostenträgerrechnung, so dass die fixen Kosten nicht in den Soll-Ist-Vergleich mit einfließen. Die Beschäftigungsabweichung ist somit gleich Null, da die variablen Sollkosten und die verrechneten Plankosten (ohne Fixkosten) übereinstimmen. Zudem soll die Beschäftigungsabweichung ja die Differenz von zu viel oder zu wenig verrechneten Fixkosten messen, was nicht möglich ist, wenn die Fixkosten in der Grenzplankostenrechnung erst gar nicht berücksichtigt werden. Zur Durchführung des Soll-Ist-Vergleichs sind folgende Schritte durchzuführen:

Zunächst sind für jede Kostenstelle die anfallenden Plankosten zu bestimmen und in einen fixen und in einen variablen Anteil aufzuspalten. Der Plankostensatz bei Planbeschäftigung ergibt sich als Quotient aus variablen (proportionalen) Kosten und der Planbeschäftigung.

Die verrechneten Plankosten entsprechen dem Produkt aus Plankostensatz und Ist-Beschäftigung, die Sollkosten demnach ebenso. Die Verbrauchsabweichung errechnet sich schließlich als Differenz von Ist-Kosten und Sollkosten.

In einem kompakten Video, das mit der Software Camtasia erstellt ist, erklärt Ihnen Aron Jakob (Studierender im Masterstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der htw saar) das Konzept der Plankostenrechnung:

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