Stromkosten Zusammensetzung

Die Stromkosten belasten seit dem Jahr 2022 private Haushalte und Unternehmen besonders stark. Grund dafür sollen die gestiegenen Bezugspreise sein. Aber stimmt das auch? Schauen wir uns doch einmal die Zusammensetzung der Stromkosten anhand eines konkreten Beispiels an.

Bestandteile der Stromkosten

Grundsätzlich lassen sich die Stromkosten in drei Hauptbestandteile zerlegen:

  • Kosten für Energieeinkauf, Vertrieb und Service
  • Netzkosten
  • Steuern, Abgaben und Umlagen

Ein Beispielhaushalt hat vom November 2021 bis zum Oktober 2022 insgesamt 2.319 Kilowattstunden Strom verbraucht. Dafür hat er im Abrechnungszeitraum 726,92 Euro an den Energieversorger bezahlt. Dies entspricht einem Preis von 31,346 Cent pro kWh.

Die insgesamt 726,92 Euro verteilen sich wie folgt auf die Hauptbestandteile der Stromkosten:

Strompreis Zusammensetzung

Nur 24 Prozent der Kosten entfallen somit auf Energieeinkauf, Vertrieb und Service, der Großteil von 42 Prozent dagegen auf Abgaben, Umlagen und Steuern. Die 31,346 Cent pro Kilowattstunde setzen sich somit aus Netzentgelten in Höhe von 10,54 Cent pro kWh, Kosten für Energiebeschaffung, Vertrieb und Service von 7,64 Cent je kWH und 13,17 Cent je kWh für Abgaben, Steuern und Umlagen zusammen. Doch welche Positionen stecken im Detail hinter den einzelnen Kostenkomponenten dieser Kostenart?

Stromkosten im Detail

Energieeinkauf, Vertrieb und Service sind selbsterklärende Kosten eines Energieversorgers.

Die Kosten für die Netze, die immerhin 34% der Gesamtkosten beim Beispielhaushalt ausmachen, umfassen:

  • Netzentgelte: Kosten der Netzbetreiber für Transport und Verteilung der Energie sowie Pflege und Instandhaltung des Energienetzes in Höhe von 240,94 Euro
  • Entgelt Messstellenbetrieb: Kosten für die Bereitstellung, Betrieb und Wartung des Zählers (Messeinrichtung) und der Erfassung der Zählerdaten in Höhe von 3,37 Euro

Abgaben, Steuern und Umlagen betreffen folgende Positionen:

  • Umsatzsteuer in Höhe von 116,06 Euro
  • Stromsteuer (Steuer auf den Verbrauch von Strom) mit 47,54 Euro
  • Konzessionsabgabe (Abgabe an die Kommunen für die Nutzung von öffentlichen Verkehrswegen für Stromleistungen) in Höhe von 30,61 Euro
  • Umlagen (EEG, § 19 StromNEV, Offshore, KWKG, abschaltbare Lasten): 83,49 Euro für die EEG-Umlage, 8,05 Euro für die KWK-Abgabe, 10,11 Euro für die Strom-NEV, 0,10 Euro für die Abschaltumlage und 9,58 Euro für die Offshore-Umlage

Gesetzliche Anpassungen haben dazu geführt, dass sich ab dem 01.07.2022 die EEG-Umlage um 3,723 ct/kWh (netto) auf 0 Cent gesenkt hat.

Was heißt das für den Strompreis 2023?

Auch 2023 beträgt die EEG-Umlage, wie bereits seit dem 1. Juli 2022, 0 Cent pro Kilowattstunde. Auch die KWKG-Umlage sinkt leicht um 0,021 Cent pro Kilowattstunde auf 0,357 Cent pro kWh. Des Weiteren sinkt auch die Umlage für Strom-NEV um 0,02 Cent pro kWh auf 0,417 Cent je Kilowattstunde. Dagegen steigt die Offshore-Umlage um 0,172 Cent pro Kilowattstunde auf 0,591 Cent pro kWh. Zusätzlich wird die Umlage für abschaltbare Lasten von 0,003 Cent je kWH auf 0 gesetzt.

Bedenkt man, dass die Absenkung der EEG-Umlage auf 0 bereits im Sommer 2022 erfolgt ist, steigen die Abgaben 2023 geringfügig an und zwar um rund 0,13 Cent pro Kilowattstunde.

Die Entwicklung der Netzentgelte ist dagegen schwieriger einzuschätzen. Einerseits hängen sie von den Investitionen in die Netze ab, andererseits gibt es hier ohnehin regionale Unterschiede. Expertenerwarten für 2023 durchaus einen Anstieg von 20 Prozent bei den Netzentgelten.

Für den Zeitraum von November 2022 bis Oktober 2023 gibt der Energieversorger Energis beispielsweise auf seiner Homepage an, dass nur noch 6,79% der Kosten auf den Bereich Abgaben, Steuern und Umlagen entfallen sowie nur noch 16,86 Prozent auf die regulierten Netzentgelte. Demnach entfallen 76,35 Prozent des Strompreises auf Strombeschaffung und Vertrieb. Dies sind dramatische Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Während die Steuern, Abgaben und Umgaben auf ein Sechstel der Kosten von 2022 aus der Beispielrechnung gefallen sind und der Anteil der Kosten der Netze sich immerhin halbiert, steigt der Beschaffungs- und Vertriebskostenanteil von 24% in der Beispielsrechnung auf über 76% und damit mehr als das Dreifache.

Beispielrechnung der Stromkosten für 2023

Nehmen wir einmal für 2023 den gleichen Stromverbrauch wie 2022 an, also 2.319 Kilowattstunden. Außerdem unterstellen wir, dass die Netzentgelte von 244 auf 300 Euro steigen werden, also um etwas mehr als die prognostizierten 20 Prozent. Aus den Abgaben, Steuern und Umlagen rechnen wir die EEG-Umlage heraus (da sie 2023 nicht mehr anfällt) und zusätzlich zunächst auch die Umsatzsteuer, da wir deren Höhe erst angeben können, wenn wir den Nettopreis (ohne Umsatzsteuer) pro Kilowattstunde Strom kennen. Demnach verbleiben für die Abgaben, Steuern und Umlagen noch 105 Euro, die wir für 2023 geringfügig auf 110 Euro erhöhen. Insgesamt sind unsere 2.319 Kilowattstunden Strom demnach bereits mit 410 Euro Kosten belastet, entsprechend 17,7 Cent pro kWh. Hinzu kommen Kosten für Beschaffung, Vertrieb und Service sowie die Umsatzsteuer. Verlangt ein Anbieter 40 Cent pro kWh Strom zuzüglich Umsatzsteuer, dann verrechnet er im Beispiel 22,3 Cent pro kWh für Beschaffung, Vertrieb und Service gegenüber 7,64 Cent pro kWh im Beispielhaushalt 2022.

2020 betrug der mittlere Spotpreis für Strom an der Leipziger Strombörse lediglich 30 Euro pro MWh, 2021 wurden im Mittel an der Strombörse knapp 97 Euro je MWh bezahlt, 2022 betrug der mittlere Strompreis dagegen bereits 235 Euro je MWh (Quelle: https://www.bricklebrit.com/stromboerse_leipzig.html) und damit rund 140 Euro mehr als noch ein Jahr zuvor. Bedenkt man, dass eine MWh 1.000 kWh umfasst, entspricht das einer Kostensteigerung von 14 Cent pro Kilowattstunde. Aber wie erklärt das die Kostensteigerung im Beispiel von 22,3 Cent? Gar nicht! Vielmehr preist der Stromanbieter das Risiko ein, dass der Strompreis weiter steigen kann. Allerdings beträgt der mittlere Sportpreis für Strom in der ersten Januarhälfte 2023 (Stand der Berechnung) lediglich noch knapp 95 Euro und damit sogar einen Tick weniger als noch 2021! Derzeit ist somit nicht erkennbar, warum Strom so teuer bleiben soll. Vielmehr sollte das Prinzip der Marktwirtschaft für fallende Preise sorgen.