Neutraler Aufwand – kalkulatorische Kosten

Neutraler Aufwand und kalkulatorische Kosten entstehen dadurch, dass die Ergebnisse der Kostenrechnung und der Buchführung einander gegenüber gestellt werden. Bereits kleine Unternehmen, die ihre Buchhaltung vom Steuerberater machen lassen, erhalten regelmäßig eine BWA. Bei der BWA handelt es sich um die betriebswirtschaftliche Auswertung. Diese beinhaltet zumindest den angefallenen Aufwand und Ertrag im letzten Monat, vielleicht im letzten Quartal, meist auch im letzten Jahr. Und die BWA ermöglicht Vergleiche dieser Positionen zum Vorjahr. Doch die Aussagekraft einer BWA ist stark begrenzt. Denn die Buchhaltung ist als Rechnung im externen Rechnungswesen an gesetzliche Regelungen gebunden, die nicht unbedingt der Betriebsrealität entsprechen. Deshalb sollte zusätzlich zur BWA eine Kostenrechnung erfolgen. Und deren Ergebnisse werden sich von denjenigen der BWA unterscheiden.

Definition neutraler Aufwand

Gehen wir zunächst einmal davon aus, dass Sie die Definition von Kosten bereits kennen. Und schauen Sie sich nun zunächst die Definitionen der folgenden Begriffe an. Aufwand, der nicht gleich Kosten ist, heißt neutraler Aufwand. Er gliedert sich in betriebsfremden Aufwand, periodenfremden Aufwand und betrieblichen außerordentlichen Aufwand. Kosten und Aufwand zählen dabei zu den betriebswirtschaftlichen Strömungsgrößen des Rechnungswesens. Ein weiteres Begriffspaar in diesem Zusammenhang sind beispielsweise Auszahlungen und Ausgaben, die wir für die Liquiditätsplanung benötigen.

neutraler Aufwand und kalkulatorische Kosten
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neutraler AufwandIm PKW-Beispiel zur Erklärung der Strömungsgrößen im Rahmen des Kapitels Definition von Kosten erkennt man einen betriebsfremden Aufwand in Höhe von 1.200 Euro je Jahr. Dieser entsteht für die private Nutzung des betrieblichen Fahrzeugs. Durch die Nutzung realisiert man einen Werteverzehr (Aufwand), der jedoch nicht betrieblich bedingt ist. Dagegen entsteht außerordentlicher Aufwand bspw. durch einen Verkehrsunfall während der Nutzung des Fahrzeugs.

Ein alternatives Beispiel ist die Totalabschreibung eines Gebäudes aufgrund eines nichtversicherten Feuerschadens. Schließlich entsteht periodenfremder Aufwand bspw. durch eine Steuernachzahlung für einen bereits vergangenen Abrechnungszeitraum.

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Neutraler Aufwand und Kostenrechnung

Neutralen Aufwand können Sie in der Buchführung (also im externen Rechnungswesen) erfassen. Jedoch ist er in der BWA nicht als solcher ausgewiesen, sondern einfach in die verschiedenen Aufwandsarten eingereiht. Neutraler Aufwand spielt aber für die Kostenrechnung keine Rolle, da die Anforderungen an den Begriff der Kosten in diesem Fall nicht erfüllt sind. Vor allem geht es hier um die Forderung im Rahmen der Definition von Kosten, dass Kosten stets im Zusammenhang mit der betrieblichen Leistungserbringung zu sehen sind. Und genau dies ist beim neutralen Aufwand per Definition nicht der Fall. Denn Aufwand ist nur dann neutral, wenn er nicht in die Kostenrechnung übertragen werden kann.

Definition der kalkulatorischen Kosten

Kosten, die nicht gleich Aufwand sind, heißen kalkulatorische Kosten. Diese gliedern sich in Zusatzkosten (kein Aufwand) und Anderskosten (Aufwand in anderer Höhe). Als Beispiel dafür sind Zinsen für das Eigenkapital (Zusatzkosten) zu nennen. Auch das Rechnen mit höheren Kreditzinsen, als tatsächlich zu zahlen sind, (Anderskosten in Höhe der Zinsdifferenz) gehört dazu. Somit treten Anderskosten immer dann auf, wenn man in der Kostenrechnung bewusst von der Werten der Buchführung bzw. Buchhaltung abweicht. Und Zusatzkosten treten immer dann auf, wenn der Kostenrechner Positionen verrechnen will, die er oder sie in der Buchführung nicht ansetzen kann.

Kalkulatorische Kosten und Kostenrechnung

Die kalkulatorischen Kosten können Sie lediglich in der Kostenrechnung berücksichtigen. Im Falle von Zusatzkosten kommen sie in der Buchführung (und damit auch in der betriebswirtschaftlichen Auswertung BWA) hingegen nicht vor. Im Falle von Anderskosten erfassen sie diese in der Buchführung in anderer Höhe. Wenn Sie zum Beispiel in der Kostenrechnung höhere Fremdkapitalzinsen verrechnen wollen, weil Sie sich am langjährigen Durchschnitt orientieren, als Sie tatsächlich zahlen müssen, entstehen Anderskosten.

Typisches Beispiel für die kalkulatorischen Kosten sind die kalkulatorischen Abschreibungen. Gerade die kalkulatorischen Kosten unterscheiden sich häufig von den bilanziellen Abschreibungen, wenn Sie in der Kostenrechnung eine andere Nutzungsdauer unterstellen, als Sie laut AfA-Tabellen in der Finanzbuchhaltung müssen. Insofern stellen sie dann Anderskosten dar. Wenn Sie hingegen den kalkulatorischen Unternehmerlohn als Beispiel für kalkulatorische Kosten nehmen, dann handelt es sich um Zusatzkosten. Denn der kalkulatorische Unternehmerlohn ist in der Buchhaltung nicht als Aufwand zu erfassen. Er ist ein kostenrechnerischer Ansatz dafür, dass der Unternehmer in seinem Betrieb Geld zum eigenen Lebensunterhalt verdienen muss, als Einzelunternehmer oder Personengesellschafter sich aber nicht in seinem eigenen Unternehmen anstellen kann. Deshalb kann er auch keinen Personalaufwand für sich selbst verbuchen. Dennoch brauchen Einzelkaufleute und Personengesellschaften diesen Aspekt der Personalkosten in ihrer Kostenkalkulation.

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