Kostentreiber – Prozesskostenmanagement

Kostentreiber spielen im Prozesskostenmanagement eine Rolle im Zusammenhang mit den sogenannten leistungsmengeninduzierten (lmi-) Prozessen. Dabei ist für jeden lmi-Teilprozess bzw. für die lmi-Hauptprozesse festzustellen, welches quantitative Merkmal die Kosten der Tätigkeit beeinflusst bzw. treibt. Deshalb heißt dieses Merkmal auch Kostentreiber (bzw. cost driver). Alternativ wird auch der Begriff Kostenbestimmungsfaktor häufig genutzt. Dabei ist entscheidend, dass es sich um eine Maßgröße handelt, die erstens gut messbar ist und zweitens in unmittelbarem Zusammenhang mit der Leistungserbringung des Prozesses steht.

Prozesskostenrechnung und Kostentreiber Analysen
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Kostentreiber-AnalysenBeispielhaft seien für verschiedene Tätigkeiten, Teilprozesse und Hauptprozesse oftmals die folgenden Kostentreiber genannt:

Dabei handelt es sich bei Tätigkeiten um relativ einfach strukturierte Aktivitäten, die sich nicht sinnvoll weiter zerlegen lassen. Fasst man mehrere Tätigkeiten zusammen, dann entstehen Teilprozesse. Und durch die weitere Zusammenfassung von Teilprozessen, auch über verschiedene Kostenstellen hinweg, entstehen dann Hauptprozesse. In jedem Fall handelt es sich um eine leistungsmengeninduzierte Tätigkeit bzw. einen leistungsmengeninduzierten Prozess, wenn ein geeigneter Kostentreiber gefunden werden kann.

Tätigkeit Kostentreiber
Angebote einholenZahl der eingeholten Angebote
Prüfungen durchführenZahl der durchgeführten Prüfungen
Beanstandungen erstellenZahl der Fehler / Zahl der Beanstandungen
Teilprozesse Cost driver
Serienmaterial bestellenZahl der aufgegebenen Bestellungen
QS-Prüfung RohstoffeZahl der durchgeführten Proben bzw. Analysen
Serienmaterial lagernqm3-Lagerraum
Hauptprozesse Kostentreiber
Serienmaterial beschaffenZahl der realisierten Beschaffungsvorgänge

Folgende Kriterien sind bei der Ermittlung der Kostenbestimmungsfaktoren anzulegen:

      1. Einerseits müssen die Maßgrößen mengenmäßig erfassbar sein und in einem nachvollziehbaren Zusammenhang mit den zu messenden Sachverhalten stehen. Auch wenn diese Forderung als selbstverständlich erscheint, so stellt sie doch häufig eine erste Hürde in der Umsetzung dar. Denn nicht jede Leistung lässt sich problemlos mit Hilfe einer leicht zu ermittelten Maßgröße quantifizieren. Gerade auf diesen Schritt der Kostentreiber-Findung sollte man viel Wert legen.
      2. Andererseits sollten die Kostenbestimmungsfaktoren nicht nur in Beziehung zur Kostenstelle, sondern auch in einer Beziehung zum Kostenträger (i.d.R. die Endprodukte) stehen. Gerade diese Anforderung ist notwendig, wenn die Kosten nicht bestimmt, sondern auch im Rahmen einer Kalkulation weiterzuverrechnen sind. Und dieser Schritt ist häufig in der Prozesskostenrechnung anzutreffen, weil nur so eine Produktkalkulation mit der Prozesskostenrechnung möglich wird.

Kostentreiber – cost driver – Kostenbestimmungsfaktor

Letztendlich bilden die sogenannten cost driver (englische Entsprechung des Kostenbestimmungsfaktors) die eigentliche Bezugsgröße für die Verrechnung der indirekten Gemeinkosten. Damit kommt den Kostentreibern eine Doppelfunktion zu. Einerseits sollen sie ein Maßstab für die Kostenverursachung sein. Andererseits müssen sie sich zur Kostenverrechnung eignen. Letztlich führt dies in der Praxis dazu, dass in sehr vielen Fällen der Kostentreiber über die Anzahl der Prozessdurchführungen bestimmt wird.

Des Weiteren ist zur Ermittlung der Kostentreibermengen i.d.R. ein Zeitraum von mindestens einem Jahr zu empfehlen. Dadurch sollen Verzerrungen durch kurzfristige Ereignisse vermieden werden. Denn nur durch verlässliche Werte lassen sich auch neue Erkenntnisse gewinnen. Außerdem ist es für die Ermittlung der Prozesskostensätze unerlässlich, auf zuverlässige Daten zurückgreifen zu können.

(Literaturhinweise: Das Beispiel ist entnommen aus: Quelle: Kremin-Buch, Beate: Strategisches Kostenmanagement, Grundlagen und moderne Instrumente, 4. Auflage, Wiesbaden, Gabler, 2007, S. 49.; ein nach Kostenstellen gegliedertes Beispiel findet sich bei: Olfert, Klaus: Kostenrechnung, 15. Auflage, Ludwigshafen, Kiehl, 2008, S. 350.)

Letztendlich finden Sie eine Aufgabe zur Wahl der Kostentreiber über den Link: https://kostenmanagementblog.wordpress.com/fallstudie-6-zum-prozesskostenmanagement/