Verrechnungsprinzip der Kostenrechnung

Verrechnungsprinzip der Kostenrechnung: Verursachungsprinzip, Tragfähigkeitsprinzip und Durchschnittsprinzip

Die Kosten- und Leistungsrechnung weist im Allgemeinen einen dreistufigen Aufbau in die Kostenarten-, die Kostenstellen- und die Kostenträgerrechnung auf. Diese Dreiteilung der Kosten- und Leistungsrechnung begründet sich in den zu Grunde zu legenden Verrechnungsprinzipien von Kosten. Demnach erfolgt die Verrechnung der Kosten innerhalb der Kostenrechnung nach dem

  • Verursachungsprinzip,
  • Durchschnittsprinzip oder
  • Tragfähigkeitsprinzip.

Dabei ist das Verursachungsprinzip das dominierende Grundprinzip. Es besagt, dass den einzelnen Kostenträgern (In der Regel sind das die Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens.) nur jene Kosten zugeordnet werden dürfen, die dieser Kostenträger (dieses Bezugsobjekt, also das Produkt oder die Dienstleistung) auch verursacht hat. Diese Vorgehensweise erscheint uneingeschränkt sinnvoll, denn als Kunde eines Warenhauses mit breiter Angebotspalette sind Sie sicherlich nicht bereit, die Kosten eines Fernsehers zu bezahlen, wenn Sie gar keinen Fernseher, sondern ein paar Sportschuhe kaufen. Den Vorgang der Kostenzuordnung auf die Kostenträger nennt man Kostenträgerrechnung bzw. Kalkulation.

Eine Anwendung des Verursachungsprinzips bedeutet, dass einem Kostenträger insbesondere jene Kosten zuzurechnen sind, die bei der Erstellung einer zusätzlichen Kostenträgereinheit zusätzlich anfallen. Man spricht von variablen Kosten, wenn die Kosten sich mit der Leistungsmenge (der Produktionsmenge) verändern. Wenn ein Textilhersteller eine Hose mehr herstellt, dann sind damit bestimmte zusätzliche Kosten verbunden, z.B. für den zusätzlich verwendeten Stoff, dessen Kosten verursachungsgerecht der zusätzlichen Hose anzulasten sind.

Wenn das Verursachungsprinzip nicht greift, muss das Durchschnittsprinzip oder das Tragfähigkeitsprinzip als Alternative zur Kostenverteilung herangezogen werden.

Bei Anwendung des Durchschnittsprinzips zur Zuordnung von Kosten auf Kostenträger werden die Kosten anteilig einer Schlüsselgröße auf die Kostenträger verrechnet.

Dient beispielsweise die Anzahl der Mitarbeiter als Schlüsselgröße zur Verteilung von Verwaltungskosten in Höhe von 100.000 Euro, und besteht ein Unternehmen aus 2 Abteilungen mit 3 bzw. 7 Mitarbeitern, dann werden in diesem Fall 30.000 Euro Verwaltungskosten der Abteilung mit 3 Mitarbeitern und 70.000 Euro der Abteilung mit 7 Mitarbeitern zugeordnet.

Eine solche Verteilungsrechnung von Kosten findet innerhalb der Kostenstellenrechnung statt. Die Kostenstellenrechnung verfolgt den Zweck, sämtliche Kosten aus der Kostenartenrechnung, die nicht verursachungsgerecht den Kostenträgern zugeordnet werden können, zu sammeln und so zu strukturieren (umzuordnen bzw. umzurechnen), dass sie sich letztlich gerecht oder wenigsten plausibel bzw. praktikabel den Kostenträgern zuordnen lassen.

Auch das Tragfähigkeitsprinzip als zweite Alternative der Kostenverrechnung nicht verursachungsgerecht zu verrechnender Kosten verwendet Schlüsselgrößen, allerdings Wertgrößen wie den Absatzpreis (Verkaufspreis) bzw. den Deckungsbeitrag des Kostenträgers.

Hat ein Produkt bspw. einen Absatzpreis von 10 Euro, ein zweites einen Absatzpreis von 20 Euro, so werden bei Anwendung des Absatzpreises als Schlüsselgröße nach dem Tragfähigkeitsprinzip dem zweiten Produkt doppelt so hohe Kosten zugeordnet wie dem ersten Produkt.

Quelle: Kosten- und Leistungsrechnung kompakt: Einführende Darstellung mit 48 Aufgaben